Nov 20, 2019

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Weg, Auftrag, Vermächtnis

Orientierungsplan

Abram Poljak (1900-1963) -
Sein Weg, sein Auftrag und sein Vermächtnis
Paul E. Meier, (ed.)

„Die judenchristliche Gemeinde ist der Wille aller Juden,
die an Christus und die Mission des jüdischen Volkes glauben.“

Dieses Selbstverständnis aus der Feder Poljaks gehört wie sein Glaubensbekenntnis unter der dreisprachigen Kreuzestafel I.N.R.I., „Jesus von Nazareth, König der Juden“ in die Schriften dieses jüdischen Vorkämpfers der messianischen Erweckung des 20. Jahrhunderts. Sein Banner ist das Kreuz im Davidstern, das 10 Jahre vor der israelischen Nationalflagge während der Zeit des Nationalsozialismus zu wehen begann.

Wer es wagt, eine Biographie über den Gründer der Judenchristlichen Gemeinde, Abram Poljak, schreiben zu wollen, der müsste sich sowohl auf die schriftlichen als auch die mündlichen Quellen stützen. Zu den mündlichen gehören auch die unzähligen, immer noch nicht transkribierten Tonbänder, die vor allem das Denken des späteren Poljaks wiederspiegeln und seine innere Entwicklung zeigen, eine Entwicklung, die schon aus dem Vergleich seiner früheren mit den späteren Schriften sichtbar wird. Er war, auch in seinen eigenen Worten, wie Jakobus von Elia sagte, „ein Mensch wie wir.“

Manche Gedanken und Bibelauslegungen zu Beginn seines Wirkens hatte er von pietistischen Lehrern übernommen, obwohl er dies sonst prinzipell zu vermeiden suchte. Dies betrifft z.B. Prophetie und Endzeit oder Unterschiede zwischen Reichsbruderschaft und Judenchristlicher Gemeinde, Leib Christi und Braut Christi, oder Aussagen über den Zeitpunkt der Entrückung. Manches betonte er gegen das Ende seiner Laufbahn überhaupt nicht mehr. Poljak war nicht der Meinung, er hätte in allem der Weisheit letzter Schluss. Er ging davon aus, dass wir auf dem von ihm eingeschlagenen Weg weitergehen und so in unserem Verständnis der ganzen Heiligen Schrift wachsen müssen.

Eine wirklich vollständige Sammlung seiner Schriften, die an einem einzigen Ort zugänglich wären, ist uns nicht bekannt. Ein Poljak Archiv existiert auch über 40 Jahre nach seinem Tode noch nicht.[1] Er selbst hätte eine Biographie als Ablenkung von seiner Botschaft gehalten, denn nicht er selber, sondern das Wort Gottes und sein gekreuzigter und auferstandener Jesus Christus, König der Juden (I.N.R.I.) sollte den Vorrang haben.

Doch selbst wer auf eine Biographie verzichten wollte, kann das Denken dieses aussergewöhnlichen Juden nur unter Berücksichtigung des Kontexts erfassen, der Poljak gezeichnet hat. Dazu gehören erstens die zwei Weltkriege, insbesondere der zweite, dessen Antisemitismus in der Hitlerzeit ihren Höhepunkt erreichte,[2] und der nachfolgende Kalte Krieg[3], zweitens der Nährboden des deutschen Pietismus und dessen Einfluss auf sein Verständnis der biblischen Heilsgeschichte und drittens die Auseinandersetzung mit christlichen Kirchen seiner Zeit. Die Theologien jener Kirchen waren keine Freunde des Pietismus und hatten zum Geschehen in Deutschland weitgehend geschwiegen. Zudem waren sie von der sogenannten Ersatztheologie bestimmt, auch wenn diese wie die Katholische Kirche inzwischen diese Theologie modifiziert haben.[4]

Zu den Schlüsselerlebnissen seines Lebens gehören ein mit fünf Jahen erlebter Pogrom, dem eine Flucht seiner nicht-orthodoxen Familie nach Deutschland folgte, seine Lektüre von Tolstoi, die ihn zum ‚tolstoianischen Christen’ machte, seine Verhaftung und seine wunderbare Befreiung nach nur einwöchiger Gefangenschaft (1933), seine Erkenntnis Jesu als Messias und als König der Juden, seine Berufung auf dem ölberg und Gottes Führung durch ein nicht-erneuertes Visum in Israel, aus der er den Schluss zog, dass Gott ihn in Europa brauchen wollte anstatt sich in Israel anzusiedeln, und schliesslich die Jahre seiner Internierung in England, Kanada und der Isle of Man, wo er die Internierung der Freilassung vorzog.

Mangels einer Poljak Biographie, muss sich der Leser aus den zahlreichen biographischen Hinweisen in den Publikationen der JCG[5] selbst ein Bild über dieses bewegte Leben zeichnen. Dennoch sei hier der Versuch gewagt, einige wesentliche Merkmale über den Gründer und sein Werk hervorzuheben, umso mehr als man Poljak in seiner Bedeutung für die Geschichte des Messianischen Judentums bis heute noch nicht gebührend gewürdigt hat.[6]

Dieser Versuch ist umso nötiger als das in kirchenchristlichen Kreisen höchst einflussreiche Buch von Dr. Kurt Hutten, „Seher, Grübler, Enthusiasten,“ eine Darstellung von Abram Poljak gibt, die der Korrektur bedarf. Dr. Huttens Beurteilung steht, wie weiter unten zu zeigen ist, unter dem Einfluss der kirchlichen Ersatztheologie. (Siehe Anhang I zur Kontroverse Hutten/Poljak).

Mit dem Versuch, eine Würdigung Poljaks vorzulegen, bekennen wir uns zur Persepktive einer Sicht Poljaks, die sowohl der biblischen Heilsgeschichte als auch dem heutigen Staat Israel grundsätzlich wohlgesinnt ist, denn wer Poljak unter einem anderen Blickwinkel sieht, der hätte wohl Mühe, sich nicht vom Urteil bestimmen zu lassen, das seine Gegner kennzeichnete, die ihn kritisierten. Seine Botschaften führten zu ‚Spaltungen und Scheidungen,’ behaupteten sie und verursachten ‚Unruhe unter den Gläubigen.’ Hans Härer, der durch seine Zusammenfassung der Lehre des Pietisten Theodor Böhmerles [7] bekannt wurde, verteidigt Poljak in seiner Schrift vom Juli 1953 unter dem Hinweis auf Poljaks konziliante Haltung, die dieser wie folgt zusammenfassst: „Wir dürfen uns nicht gegen Kirchen und Gemeinschaften erheben, ganz gleich, wie sie gegen uns handeln mögen! Wir haben kein Recht, einen Kirchenaustritt zu verbieten, wir haben aber auch kein Recht, Kirchenaustritt zu gebieten oder zu propagieren. Als Bruderschaft, als Bewegung stehen wir den Kirchen und Gemeinschaften mit wohlwollender Neutralität gegenüber und wünschen ihnen Gottes Segen...“ [8] Diese Haltung zeigt die innere Grösse Poljaks angesichts der Ablehnung, die ihm von der Kirche zuteil wurde.

Dieser mutige, aber überaus demütige Zeuge des jüdisch-christlichen Glaubens endete dank einem Wunder nicht im Holocaust, sondern setzte sich mit dem Plan Gottes für Israel und die Gemeinde, sogar als Kriegsgefangener eines Krieges, an dem er gar nicht teilgenommen hatte, wie kaum ein zweiter auseinander. Zu seinem Kontext gehört nicht nur der Holocaust, sondern auch die grosse Aufgeschlossenheit der Nachkriegszeit, sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz, in der für endzeitliche Perspektiven ein fruchtbarerer Boden als heute vorhanden war. Nicht umsonst wurde seine Bewegung als eine endzeitlich oder eschatologisch orientierte Sondergruppe bezeichnet.

Ist es nicht bedauerlich, dass die christliche Kirche ihre eschatologische Komponente trotz des furchtbaren Kriegsgeschehens verloren hatte und an Poljak vorbeiging als ob er ein Sektierer gewesen wäre? Bis heute hat sie, trotz seiner prophetischen Analyse der Hitlerzeit [9] , immer noch nicht erkannt, dass hier mehr war als ein jüdischer Journalist, der eine Sonderlehre zu verbreiten versuchte?[10]

Wir kommen um die Frage nicht herum, ob hier der christliche Antisemitismus oder – was auf dasselbe hinausläuft – die falsch verstandene Vorstellung, Gottes Bund mit Israel gelte zwar uneingeschränkt, aber es gäbe zwei verschiedene Heilswege [11] , die Augen seiner Gegner verblendet hat. Andrerseits stellt sich auch die Frage, warum eigentlich bis heute kein einziger messianischer Jude eine (geschichtstheologisch orientierte [12] ) Poljak-Dissertation [13] geschrieben hat, auch wenn Poljak kein Theologe war.

Hat Poljak nicht vor allen Anderen den Auftrag der messianischen Juden erkannt, wenn er schreibt: „Wir müssen die Schuld der Juden wie die der Nationen aufdecken und beiden zeigen, dass sie keinen Grund haben, stolz zu sein; denn sie sind alle abgewichen und allzumal untauglich geworden. Es ist kein Unterscheid, sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. Gott hat alle (Juden und Heiden) beschlossen unter den Unglauben, auf dass er sich aller erbarme...“ [14]

Abram Poljak war der erste messianische Jude, der im 20. Jahrhundert [15] kurz vor dem zweiten Weltkrieg in West-Europa messianisch-jüdische, d.h. ‚judenchristliche’ Gemeinden gründete. Ehe Poljak in England interniert wurde, entstand seine erste Siedlung in Kenninghall. Wie er zum Glauben an Jesus Christus kam, beschreibt er in seinem Buch ‚Das Kreuz im Davidstern’ (1936). [16] Sein besonderes Verdienst ist es, als erster Jude erkannt zu haben, dass die landläufige, von der Reformation vererbte Ersatztheologie der Kirche – wonach Israel von der Kirche enterbt und ersetzt worden sei - mit dem biblischen Heilsplan Gottes nicht übereinstimmt und der Korrektur bedurfte. Gott hatte die Juden nicht verworfen, sondern sie zu einer besonderen Aufgabe bestimmt. Diese Einsicht brachte ihn auf Kollisionskurs mit der Kirche und der Synagoge zugleich, aber auch mit der Judenchristlichen Allianz, deren Mitglieder den christlichen Kirchen und Gemeinden angehörten. [17]

Als ein dadurch heimatlos gewordener Jesus-Nachfolger sah er sich berufen, den sowohl von Kirche und Synagoge abgelehnten Judenchristen eine „Heimat für Heimatlose“ in der von ihm im November 1937 gegründeten „Judenchristlichen Gemeinde“ [18] (ab 1946 auch nach Aussen eine ‚Jüdische Kirche’ oder ‚Christliche Synagoge’ erscheinbar) anzubieten. [19] Die Berufung zu dieser Aufgabe war ihm im Jahre 1935 auf dem ölberg in Jerusalem klar geworden. Die Gründung von eigenen judenchristlichen Siedlungen im Heiligen Land und von Bibelschulen zur Ausbildung von leitenden Brüdern [20] gehörte ebenfalls zu seiner Vision.

Man beachte, dass die Formulierung ‚Unsre Mission’ während des zweiten Weltkrieges entstand und von der Weitsicht und dem Glauben Poljkas zeugt: „Unsere Aufgabe liegt auf innerem wie äusseren Gebiet. Wir haben das Evangelium zu predigen, den Juden wie Nichtjuden die judenchristliche Botschaftt zu bringen und eine neue Lebensform zu zeigen, zu demonstrieren: die wahre Gemeinschaft, die Lebensgemeinschaft im Geiste Christi – Judenchristliche Siedlungen in Palästina und allen Ländern, wo wir sie errichten können. [21] “ Dieser Wunsch entspricht jenem Theodor Herzls, der in Basel 1897 die Entstehung einer ‚Heimstätte’ in spätestens 50 Jahren vorausgesehen hatte.

Für Poljak bedeutete diese Entwicklung weder eine Abspaltung von den kirchlichen Denominationen, noch den Verlust seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Volk. Sein Verständnis des Judenchristentums war, im Gegensatz zum traditionellen christlichen, insofern revolutionär, als er von den Juden nicht – wie die Judenchristliche Allianz - erwartete, dass sie in einer Kirche integriert werden mussten, wenn sie Jesus als ihren Messias annehmen wollten. Dieses Selbstverständnis ist mit jenem der modernen messianisch-jüdischen Bewegung identisch. Nach Poljaks Überzeugung konnte die bisherige Integration Jesus-gläubiger Juden nicht der einzige Weg sein, den Gott für die Juden vorgesehen hatte.

Das Judenchristentum aus der Perspektive Poljaks, und darin liegt seine besondere Bedeutung, muss im Wesentlichen einerseits als eine Anknüpfung an die judenchristliche Gemeinde der apostolischen Zeit vor der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 A.D. [22] , andrerseits als eine Vorwegnahme des messianischen Judentums gesehen werden, das wenige Jahre nach seinem Tod wohl völlig unabhängig von ihm mit der Messiaserkenntnis vieler amerikanischer Juden seine Fortsetzung fand. [23] Allerdings sieht keine dieser jüngeren messianisch-jüdischen Gruppierungen - wie Poljak dies sah - sich als eigenständige, endzeitliche Konfession, die die Aufgabe hat, die Juden auf ihre endzeitliche Bestimmung vorzubereiten. [24]

Die Wandlungen, die Poljaks Werk durchlief [25] , von der Gründung der Judenchristlichen Gemeinde (1937) zur ‚Internationalen Judenchristlichen Union’ (dann ‚Judenchristliche Gemeinde [26] ) bis zur Entstehung der „Reichsbruderschaft“ in Basel – 15 Jahre später, [27] (Judenchristliche Reichsbruderschaft’ JCG 183, 1952), Reichsbruderschaft Jesu Christi [28] , das judenchristliche Seminar [29] , auch der gescheiterte Versuch, in Israel 1950 eine um mindestens 50 Jahre verfrühte ‚Union Messianischer Juden’ ins Leben zu rufen, sind nicht nur Ausdruck eines überaus kreativen Geistes, sondern vor allem Ausdruck eines vorsichtig tastenden Suchens mit Hilfe prophetischer und apostolischer Worte der Bibel als „Leitsterne“ auf der „Brücke“ der Endzeit, einer „Übergangszeit.“ [30] Sie sind auch Teil der langjährigen Geburtswehen der messianisch-jüdischen Gemeinde, die ihr Modell in dem ‚Einen neuen Menschen’ sieht, wie ihn der Apostel Paulus im Epheserbrief aufgezeigt und in Römer 9-11 umschrieben hat.

Auch wenn Poljak dieses Modell noch nicht vor Augen hatte, war für ihn doch klar, dass der Leib Christi aus Juden und Nicht-Juden besteht. Ihre Einheit war für ihn Teil des göttlichen Heilsplans. Deshalb konnte er schon 1936 schreiben: „Wir beginnen ein Werk aus der Ewigkeit für die Ewigkeit ...“ und nach dem Krieg wiederholen:

„Das jüdische Volk muss sprechen. Und es spricht bereits, indem sich Juden als Juden zu Jesus bekennen und nach der judenchristlichen Gemeinde rufen. Wenn es auch nur wenige sind, keine grosse Partei, so werfen sie doch mehr in die Waagschale als alle jüdischen Parteien heute besitzen: den urjüdischen Glauben und das nationale Bewusstsein.
„Was heute auch geschehen mag: die Schriften mit dem Kreuz im Davidstern sind aus der Geschichte des jüdischen Volkes nicht mehr zu streichen. Und die judenchristliche Bewegung wird auch nicht untergehen wie die Strömungen aus der Relativität des Raumes und der Zeit; denn sie ist a u s der Ewigkeit und f ü r die Ewigkeit, das erlösende Finale der unvergänglichen Symphonie des jüdischen Geistes, die Einleitung des letzten und ewigen Kapitels des Judentums und der Geistesgeschichte der Menschheit.

Jesus von Nazareth i s t proklamiert zum König der Juden !" [31]

„Diese Worte betrachte ich als die wichtigsten, die ich je geschrieben habe und noch schreiben werde“ zitiert Poljak sich selbst aus seinem zehn Jahre früher geschriebenen Artikel ‚Die Proklamation’ (Das Kreuz im Davidstern, 1936) [32] .

Dass diese Worte die Hitlerzeit überlebten, deutet auf deren prophetische Vorahnung hin, denn Poljak war sich bewusst, dass mit den beiden Weltkriegen ein endzeitliches Geschehen angebrochen war, dessen Linie auf die verheissene und von der Kirche weitgehend vergessene Rückkehr des Messias, des Königs der Juden, zulaufen würde.

Sein Geschichtsverständnis ist aus seinem Aufsatz „Sechs Jahre Hitler“ [33] erkennbar. In seiner 1949 geschriebenen und in Deutschland 1950 erstmals veröffentlichten kleinsten Schrift, „die aber die grösste Verbreitung hatte,“ ‚Hitler als Feldherr und Spiritist’ fasst er es zusammen:

,,Die Darstellung erfolgt nicht nur als Rückblick, sondern auch im Blick auf die Zukunft - im Blick auf einen neuen Hitler und auf neue Kriege. Wir glauben, dass wir uns seit 1914 in der Endzeit befinden und dass die Welt jetzt von einem Krieg zum anderen gehen wird bis Harmagedon. Die Welt steht im Gericht - bis zur Wiederkehr Christi und der Aufrichtung Seines Reiches, des Messianischen, Tausendjährigen Reiches. Wir glauben, dass die Wiederkehr Christi nahe ist, und deuten Hitler, die Verfolgung der Juden, die Entstehung des Staates Israel und anderes als Zeichen der Zeit."

Wenn sich Poljak in seiner Naherwartung [34] des messianischen Reiches getäuscht hat, gehörte er doch nicht zu denen, die das Datum der Wiederkunft Jesu berechneten. [35] Seine Eschatologie kann ihm sowenig zur Last gelegt werden, wie den wichtigsten evangelikalen und messianischen Erwartungen unsrer Zeit, die den Amillennialismus der historischen Grosskirchen ebenfalls ablehnen. Aus prämillennialistischer Sicht wird Jerusalem das Zentrum des messianischen Königreiches werden, das nach dem Gericht Gottes über die Nationen noch diesseits der Ewigkeit, in Raum und Zeit Wirklichkeit werden wird. Dazu zitiert Poljak u. a. den Propheten Sacharja wie auch die neutestametlichen Texte.

Poljak verdient noch aus einem anderen Grund eine besondere Würdigung. Er war sich bewusst, dass die Juden Jesus zwar nicht allein gekreuzigt hatten, aber doch auch ihre Mitschuld vor Gott bekennen müssen. Mit diesem Bekenntnis ist Poljak in seinem Schriftverständnis als Nicht-Theologe jenen christlichen Theologen weit voraus, die immer noch meinen, die Schuld am Tod Jesu müsse den Juden zugeschoben werden, eine Auslegung, die der Ersatztheologie das Fundament gelegt hat und immer noch zum Kern des antisemitischen Denkens gehört. Doch nicht nur dieses Bekenntnis zeigt den ‚geistigen’ (d.h. geistlichen) Durchblick Poljaks. Wie wohl kaum eine jüdische Stimme seiner Zeit, hat er hinter der Schoah die Schuld der Juden bekannt, die unter das Gericht Gottes fielen, weil sie ihre Berufung um das Linsengericht der Assimilation verkauft und damit ihre Identität verleugnet hatten.

Sein Schuldbekenntnis ist aber nicht zu verwechseln mit dem Bekenntnis z.B. eines Meir Simcha Sokolovsky [36], der das Leiden zwar ebenfalls als eine Erfüllung prophetischer Warnungen, aber zugleich als stellvertretende Sühne interpretiert, um das Leben der amerikanischen Juden zu retten. Poljak sieht im Holocaust ein Teil des Gottesgerichts, das erst in Harmagedon enden wird und mit der jüdischen Auslegung von Jesaiah 53 nichts zu tun hat.

Kommentar zur kirchlichen als auch jüdischen Ablehnung Poljaks:

Das Fehlurteil einer Kirche, dass Poljaks Werk eine ‚endzeitorientierte christliche Sekte’ gewesen sei [37] , ist nur vor dem Hintergrund einer Theologie verstehbar, die die Erkenntnis des wohl bedeutendsten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Barth, nicht teilt, dass nämlich die Kirche „nur in ihrer Einheit mit Israel“ Kirche sein kann. Barth lehrte, „dass es in der Christuserkenntnis der Juden nicht darum gehen kann, aus dem Judentum auszutreten, und dass umgekehrt der Christusglaube für Heidenchristen nicht die Absage an Israel bedeuten kann.“

Barths Aussage zu Römer 11:16-32 verdient im Blick auf Poljaks Werk festgehalten zu werden: „Wer Jesus im Glauben hat, der kann die Juden nicht nicht haben wollen, der muss sie als die Vorfahren und Verwandten Jesu mithaben, sonst kann er auch den Juden Jesus nicht haben. Sonst verwirft er mit dem Juden Jesus selber. Das und also wirklich der Grund der Kirche steht (sc. hier) auf dem Spiel.“ [38]

Man wirft Poljak, wie bereits erwähnt, vor, er habe in seinem Bibelverständnis zwei Heilslinien zu erkennen geglaubt, die eine für die Juden und die andere für die Nichtjuden. Diese beiden Linien waren aber nicht, wie ein oberflächliches Verständnis behauptet, zwei grundsätzlich getrennte Linien, sondern im Grunde eine einzige Linie, deren doppelte Spur ineinander übergehen sollte. Deshalb schloss sein Gemeindeverständnis die Einheit von Judenchristen und Heidenchristen ein. Gegen die Vorwürfe seiner falsch verstandenen Lehre verteidigt er sich in seinem Buch ‚Die Botschaft vom Reich.’ [39] Die Reichsbruderschaft ist keine zusätzliche Kirche, sondern muss verstanden werden „als Bewegung, als Gebetsgemeinschaft durch alle christlichen Kreise“ hindurch. [40]

Zum Verständnis von Poljaks Terminologie ist die Kenntnis der Quellen erforderlich. Was versteht er unter dem Begriff ‚Reich?’ Er mahnt zur Vorsicht: „An diesem Punkt müssen wir vor einem Gedankensprung, einer Überspitzung, Übereilung, Unnüchternheit warnen. Wohlgemerkt: Wir bauen am Reich, bilden es aber nicht, denn das Reich ist ja noch zukünftig. Wir können heute als Herolde das Reich proklamieren, seine Nähe ankündigen, aber „in Kraft“ kann es nur durch die sichtbare Wiederkunft Christi treten. Bis dann stehen wir „am Reich“, aber nicht „im Reich.“ [41]

Mit dem Begriff Reich verbindet sich der Begriff einer (Gebets-) Bruderschaft. Was versteht die Judenchristliche Gemeinde unter dem Begriff „Reichsbruderschaft?’ öffnet sich hinter dieser terminologischen nicht eine ontologische Frage, die Identitätsfrage, die die Juden vielleicht nicht loslassen wird, bis ihr Messias wiederkommt? Weshalb spricht Poljak noch nach 20 Jahren in diesem Zusammenhang (1955) von ‚schweren Fragen,’ [42] die Gegenstand seiner ‚programmatischen’ Artikel sind? Der Zweck der Konferenzen der Reichsbruderschaft sei „unsre Existenz anzuzeigen und zu begründen, Grenzen der Zeit aufzuzeigen und zu überschreiten, ein Zeugnis abzulegen für die sichtbare und unsichtbare Welt.“ Doch dienten diese Konferenzen auch einigen Definitionsfragen. Aus der ‚Judenchristlichen Reichsbruderschaft’ (2. Konferenz von Basel, 1952) wurde die ‚Reichsbruderschaft Jesu Christi’ (Konferenz von Bremen, 1954).

[Die anfängliche Gemeinde Struktur, die aus einem inneren Kreis (Judenchristen) und einem äusseren Kreis (Heidenchristen) aus der Londonerzeit bestand, wurde wohl aufgegeben als die Arbeit i n England ein vorzeitiges Ende erreichte. (Siehe Endnote 24)]

Wenn wir Poljak als Stratege richtig verstehen, entsteht die Schwierigkeit, um die es hier geht, darin, dass er in seiner Naherwartung die Ungewissheit der Wiederkunft Jesu in diese Gleichungen einbeziehen muss. Konsequent gedacht weiss keiner, ob er bei Jesu Wiederkunft noch am Leben sein wird.

Poljak unterscheidet zwischen ‚Leib Christi’ und ‚Braut Christi:’ „Der Leib ist die (aus Juden- und Nationen-Christen bestehende) Gemeinde, die sich in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Christi bildet.“ Nach Gal 3,28 gibt es in diesem Leib weder Juden noch Griechen. Dieser Leib wird von der Erde hinweggenommen werden, wenn Christus wiederkommt. Damit ist die Heilslinie für den Leib an ihr Ende gekommen. (Poljak glaubt an die Entrückung der Leib-Gemeinde.) „Dann wird die Braut Christi in Erscheinung treten, das ganze jüdische Volk, das dann Christus bekennen wird (Sach 12; Jer 31,34; Röm 11,26)“ Da die Judenchristliche Gemeinde aus Juden und Christen besteht, besteht sie aus zwei Gruppen: „Die eine gehört zum Leib Christi, die andere zur Braut. Die eine hat ihre Aufgabe heute, die andere hat sie morgen.“ (Morgen, wenn Christus gekommen sein wird).

Entscheidend ist hier, dass keiner weiss, wann Christus wiederkommen wird, deshalb kann der Judenchrist auch nicht letztgültig wissen, ob er zur Brautgemeinde gehören wird oder nicht, denn Judenchristen, die im Moment seines Kommens noch am Leben sein werden (Poljak: „Es kommt darauf an, wer durch die ‚letzte Minute vor 12’ kommt, wer das Ende der Brücke, auf der wir uns in diesem Augenblick befinden, erreicht“) gehören zur Brautgemeinde. ( - Seine biblische Begründung der besonderen Aufgabe der Brautgemeinde haben wir noch nicht entdeckt, es sei denn dass diese aus den Bildern des AT und der Überzeugung abgeleitet wird, dass das Buch der Offenbarung in erster Linie für Juden geschrieben ist und mit dem Ruf der Braut nach ihrem Messias endet.)

Entscheidend ist laut Poljak aber auch, dass keiner seine Bestimmung kennt: „Diese wird erst die Zukunft zeigen.“

Mit ‚Brücke’ meint Poljak die Funktion der heidenchristlichen, zum Leib Christi gehörenden Reichsbruderschaft. Diese hat die „königliche Aufgabe, die ‚Brücke’ zu Israel zu schlagen, Israel zu segnen und den Segen Israels, den ‚Segen aus Zion’ zu empfangen und in dieser Kraft die Grundlagen des Reiches zu legen und die Tore des Himmels zu öffnen für den auf die Erde zurückkehrenden König der Könige.“

Wenn wir Poljak recht verstehen, dann wird jeder Jude, der Jesus bekennt und sich in der Judenchristlichen Gemeinde aufnehmen lässt, Judenchrist. Ein nicht-jüdischer Christ, der sich zur Judenchristlichen Gemeinde zählt, gehört zur Reichsbruderschaft. „Bei der Reichsbruderschaft kann man sich nicht ‚anmelden.’ Wir sind keine Organisation und führen keine Mitgliederlisten. Wir sind eine Bewegung, die ihren Ursprung in der Ewigkeit hat. Zu ihr gehören nur jene, die vom König selbst berufen worden sind, ‚auserwählt vor Grundlegung der Welt.’ (Eph 1,4)....Wir haben das Zeichen, eine Fahne: Das Kreuz im Davidstern...das Zeichen des Königs.“ [43] „Die Reichsbruderschaft ist nicht unsere Erfindung und Gründung. Sie wurde von Gott ins Leben gerufen und wird von Gott erhalten.“ [44]

Mehrere der JCG Hefte enthalten das Thema ‚Probleme der Reichsbruderschaft,’ wie sie in jedem Gebetskreis auftreten können. Z.B. taucht in den pietistischen Kreisen auch die Lehre der Allversöhnung auf. Poljak: „Es ist nicht unsere Aufgabe, für die Allversöhnung, die Geistesgaben usw. einzutreten; es ist aber auch nicht unsere Aufgabe, dagegen zu kämpfen. Wir sprechen darüber nicht – auf dem Boden der Reichsbruderschaft...Diese Haltung erscheint uns als Gebot der Weisheit: ‚Bleibet bei dem Wort, das Euch gegeben wurde!’

„Das Wort, das uns als Auftrag gegeben wurde, ist allein ‚Die Botschaft vom Reich.’ – und nur dieses Wort dürfen wir als Reichsbruderschaft predigen. Durch dieses Wort konnten wir Freunde und Gegner der Allversöhnung, Freunde und Gegner der Pfingstbewegung, Katholiken und Protestanten und Angehörige vieler Gemeinschaften vereinigen. Sollen wie sie nun auseinandertreiben, indem wir uns auf die Seite einer Richtung, einer Partei stellen? Damit würden wir selbst zur Partei und die Krone der „Oekumene“ von uns werfen.“ [45]

Nach dem Tod Poljaks im Jahre 1963 übernahm Baron von Springer die Leitung der JCG und führte diese während fast 30 Jahren weiter. Weshalb löste sie sich im deutschsprachigen Raum nach seinem Ausscheiden auf, während das französische ‚Jérusalem’ ununterbrochen weitergeführt wurde? War die Zeit für Poljaks Vision noch nicht gekommen, weil die politische Entspannung und der wirtschaftliche Aufschwung Europas die Christen wieder einschlafen liess oder war es die Kirche, die eine eigenständige judenchristliche Bewegung nicht anerkennen konnte, weil sie nicht bereit war, ihre Theologie zu revidieren? Poljak wird zu seiner Zeit wieder entdeckt werden, spätestens wenn von Atombomben wieder die Rede sein wird, [46] denn seine alt-neue Botschaft wird nie mehr untergehen: „Jesus ist der König der Juden, I.N.R.I.“

Poljaks letzte Worte: ...“Wir glauben, dass der Herr bald wiederkehrt und dass wir berufen sind, ihm den Weg zu bahnen, Pionierarbeit zu leisten.“– „Bahnet den Weg in der Wüste.“ „In welcher Wüste? In der Wüste des Irrtums und der Irrlehren. Was wird heute nicht alles als christliche, biblische Wahrheit ausgegeben.“ [47]

Poljaks Schriften (Monatszeitschrift und Nachdrucke in Buchform)

Der Autor gründete 1935 in Jerusalem die Monatsschrift, eine „Judenchristliche Pressekorrespondenz,“ die in acht Nummern erschien und im August 1937 in Bern fortgeführt wurde, bis sie mit der November Nummer 1938 ihre endgültige Bezeichnung fand: „Die Judenchristliche Gemeinde.“

Das Monatsheft ‚Die Judenchristliche Gemeinde’ diente Abram Poljak zur Veröffentlichung seiner Artikel, Presseberichte, Predigten und Predigtvorbereitungen, Meditationen, Korrespondenzen und Verteidigung gegen Angriffe von kirchlicher/theologischer Seite. Die Auflage des Heftes erreichte mehrere Tausend je Nummer. Wenn diese Monatshefte vergiffen waren, veröffentlichte der Autor jeweils ausgewählte Nummern in mindestens einem Dutzend verschiedener Bücher, die wiederum verschiedene Auflagen erreichten und ein reichhaltiges Dokumentationsmaterial seines judenchristlichen Denkens hinterlassen haben. Die Reihe der Sammelbände, die im Patmos Verlag (Möttlingen/Stuttgart und Bern) erschienen, besteht aus 10 Heften, deren meiste ebenfalls mehrere Auflagen erreichten.

Der Autor hat die Wiedergabe seiner Werke ausdrücklich erlaubt. Auf ein Copyright verzichtete er unter dem Hinweis, „Wenn die Gedanken, die ich niederschreibe, den Lesern Segen bringen können, habe ich nur den einen Wunsch, dass sie weiter verbreitet werden. Ob sie in anderen Blättern unter meinem oder keinem Namen erscheinen, ist gleichgültig.” Allerdings wünschte er sich, dass für seine „ programmatischen Artikel,” die unter Nennung seines Namens in den offiziellen Organen von Vereinigungen erscheinen, denen er nicht angehöre, eine Quellenangabe folge. Diese sollte klar zum Ausdruck bringen, dass diese Artikel aus der JCG abgedruckt worden sind.“ [48]

Zu Poljaks Lebzeiten erschienen 322 Monatsnummern, die nach seinem Tod im Oktober 1963 von seinem Nachfolger Baron Albert von Springer weitergeführt wurden. Diese Monatszeitschrift wurde mit Nummer 694/650 im Dezember 1990 aus Mangel an einem weiteren Nachfolger eingestellt.

Allerdings hat sich die französische Ausgabe dieser Monatszeitschrift unter der Bezeichnung ‚Jérusalem’ bis auf den heutigen Tag erhalten. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Monats-Ausgabe Nr 556 erschienen (April 2006). Diese Nummern enthalten gelegentlich ins Französisch übersetzte Artikel von Poljak, doch hat diese Publikation ein selbständiges Gepräge angenommen.

Poljaks Bewegung führte auch in England zu einer regelmässigen Publikation (‚Jerusalem’). Die Auflage seines Monatsheftes war geringer als die deutsche Auflage. Der Tod seines Mitarbeiters John Brockis bewirkte das Ende jener Monatszeitschrift. Allerdings nahm eine Tochter später die Publikation wieder auf und führt sie bis heute weiter, wenn auch nicht so regelmässig wie die Zeitschrift früher erschien. Der Autor führte den Misserfolg des Werkes in England auf einen Mangel an Fürbitte hin, deren es sich in der Schweiz und in Deutschland offenbar mehr erfreute.

Poljaks mutig-kühne Pläne werden begleitet von einer gleichzeitig demütig-ehrlichen Bescheidenheit. Über die ersten zehn Ausgaben der JCG Nummern bekennt er, dass nicht alles, was dort geschrieben wurde, hätte veröffentlicht werden dürfen. [49] – Die einstige Sammlung von Audio-Vorträgen, die auf Grammophonplatten aufgenommen wurden sind heute auf CD erhältlich bei Karl Krauter, Otto-Schott-Strasse 16, DE-73431 Aalen – 07361-44294.

Poljaks Vermächtnis

Abram Poljak starb 1963. [50] Als er 1944 nach seiner Entlassung aus der Internierung den ersten Gottesdienst in London hielt, brachte er nach dem ersten Jahr ihres Bestehens den Sinn seiner judenchristlichen Gemeinde auf den Punkt: „...unsere Busse für die Sünden unseres Volkes, die in der Kreuzigung Christi ihren Höhepunkt erreichten und in der Ablehnung seiner Heilsmacht und Königsherrschaft bis auf diesen Tag ihre unheilvolle Krönung finden. Wie einst die Priester Israels durch blutige Opfer die Sünden ihres Volkes zudeckten, so haben wir heute durch einen geistigen Opferdienst, mit Gebeten der Busse und der Anfrufung Christi für unser Volk einzutreten.“ [51]

Diese Sicht entspringt Poljaks Schriftverständnis, das er zwei Jahre vor seinem Tod nochmals zusammenfasste. Für ihn war wichtig, dass wir die Heilige Schrift in ihrem ganzen Umfang – Altes und Neues Testament – als Gott-inspiriertes Wort in seinem „grundsätzlich buchstäblichen,“ ursprünglich jüdisch-hebräischen Sinn verstehen müssen: „...Wir sehen, dass sprach- und fachkundige Bibelübersetzer verschiedener Auffassung sind, und dass wir, wenn wir die Bibel lesen, zu falschen Schlüssen kommen und genau das Gegenteil dessen annehmen können, was Gott meint. Wir sollen darum nicht nur lesen, sondern ‚das Wort bewegen in unsren Herzen’ (Luk. 2, 19: „Maria behielt alle Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“) ... Viele Bibelübersetzer und –erklärer denken krankhaft und verbissen – ‚sektiererisch.’ Paulus spricht von ‚Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ (2. Kor 3,6) [52]

Poljaks aussergewöhnliche Demut, seine Ehrlichkeit, die sich im Bekenntnis zu seinen eigenen Schwächen und Fehlern und auch Irrtümern zeigt, sein Suchen nach der Wahrheit und sein Mut, für die Wahrheit zu zeugen, auch wenn er deswegen aufs Heftigste kritisiert wurde, verleihen seinem Sendungsbewusstsein eine besondere Glaubwürdigkeit, auch wenn die Zeit für seine Vision noch nicht gekommen war. Mag sich Poljak – „ein Mensch wie wir“ - deshalb auch da und dort geirrt haben, erfüllte er seine Berufung, den Heilsplan Gottes mit den Zeichen der Zeit zu verbinden [53] und Juden und Christen auf dessen Bedeutung hinzuweisen. Darin enthalten war die Nähe der Ankunft des wiederkommenden Königs der Juden und seines (Tausendjährigen / Messianischen) Reiches sowie die prophetische Warnung vor dem kommenden Völkergericht (dem der letzte Krieg, den die Bibel mit Harmagedon bezeichnet‚ die letzte Schlacht vor Beginn des Messianischen Reiches’ [54] vorangeht ). Ebenso bedeutsam ist Poljaks Erkenntnis, dass die Judenchristliche Gemeinde von Gebetskreisen (der Reichsbruderschaft), die sich ‚aus den Nationen’ zusammensetzen, umgeben werden muss, damit sie ihren Auftrag erfüllen kann.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Amerika und Europa. Eschatologie ist in Europa kein Thema. In den USA macht sie mit ihren christlichen Konferenzen immer wieder Schlagzeilen. Soweit uns bekannt ist, sah Poljak den Zusammenprall der Kulturen und die weltweite Bedrohung des Islam noch nicht. [55] In Europa hat die Kirche das Gleichgewicht zwischen Diesseits und Jenseits verloren und sich den sozialen Bereich und die Erhaltung der Schöpfung und ihrer Arten zur Hauptsorge gemacht. Poljak mahnt uns, dass wir den Heilsplan Gottes für die ganze Menschheit und die ganze Schöpfung in der Bibel wieder sehen, was gleichzeitig die Bedeutung der Erwählung Israels für die Durchführung Seines Planes einschliesst.. [56] Er nennt diesen Plan ‚Die Botschaft vom Reich.’ Hätte er die heutige politische Entwicklung im Mittleren Osten gesehen, hätte er uns erneut gemahnt, auf die Zeichen der Zeit zu achten und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Zu diesen Zeichen gehört nicht nur die politische Entwicklung, sondern auch das Wachstum der judenchristlichen Gemeinden und deren Bemühen, die Einigkeit untereinander zu finden, die Poljak schon vor einer Generation noch vergeblich zu vermitteln suchte.

Der Journalist Poljak schreibt über die zweite Basler Konferenz der JCG am 27. Januar 1952, an der der 80- jährige frühere Indien Missionar Friedrich Braun der Basler Mission zur Konferenz gesprochen hatte: ‚sie wurde zu einem historischen Ereignis, zu einem Markstein in der Heilsgeschichte. [57]

Mögen diese nur unvollständigen Hinweise auf das reichhaltige Quellenmaterial der JCG, trotz der zahlreichen offenen Fragen dazu beitragen, dass die Bemühungen Abram Poljaks in ihrer geschichtlichen Bedeutung von einer kommenden Generation von nicht-jüdischen und jüdischen Christen (Judenchristen / Messianischen Juden), erkannt und neu überdacht werden.

ENDNOTEN ZU ‚ABRAM POLJAK – SEIN WEG, SEIN AUFTRAG UND SEIN VERMäCHTNIS’

Transkriptionen der Tonbandaufnahmen der Vorträge aus den letzten Jahren seines Lebens erscheinen nur sporadisch und in kleiner Auflage in der Monatsschrift ‚Die Botschaft vom Reich.’ Poljaks Schriften flossen aus seinen Vorträgen, die er als begabter Redner meist frei hielt und sie nachher in schriftliche Form zur Veröffentlichung in den JCG Heften brachte.

[2 Siehe Endnote 13

[3] 1945 schreibt Dr. W. Hodler einen Artikel: ‚Die Atombombe,’ der diese als ‚apokalyptische Mahnung’ versteht (JCG 107, S. 6-10)

Die JCG Rubriken ‚Zeitgeschehen’ belegen, dass Poljak, für den politische Geschichte Heilsgeschichte geworden war (Die Botschaft vom Reich, 1956, S. 72) , im Bewusstsein von atomaren Bedrohungen schrieb, die für ihn auf Harmagedon hinwiesen – z.B. sein Eintrag zur Kobaltbombe (JCG 219, 3/1955) – die heute jedoch weitgehend verdrängt und durch ein falsches Gefühl der Sicherheit ersetzt sind. Vgl. auch Poljaks Bericht über den zweiten israelischen Atomreaktor im Negew und Nassers Aussage: „Wenn Israel Atomwaffen herstellt, dann können wir es auch.“ (JCG 289, 1/61)

[4] Z.B. Vatikan II, obwohl die neuerliche Anerkennung der ungebrochenen Berufung Israels von der Katholischen Kirche auch zur Bekräftigung ihrer eigenen Legitimation als Erbin des alttestamentlichen Israel verstanden wird.

[5] Siehe unten: Poljaks Schriften

[6] Eine Ausnahme bildet Ludwig Schneider, der in seinem Israel-Jahrbuch 1994 eine wertvolle Kurzbiographie veröffentlichte: S 126-131. Schneider besuchte die von Poljak gegründete Patmos Siedlung in Möttlingen (gegründet 1955, 1995 aufgelöst). Poljak selbst fasste die ihm wichtigsten Ereignisse bis 1937 in seinem Buch ‚Das Kreuz im Davidstern,’ zusammen: 1. Auflage II/37, 6. Auflage im Patmos Heft 6, 1951. Weitere ‚Rückblicke’ finden sich in vielen Nummern der JCG. Poljak hatte im Sinn, eine Autobiographie zu schreiben, die über das Jahr 1937 hinausführte (JCG #42, I/42), doch blieb es auch nach den bewegten Jahren der Internierung bei den vielen über alle Nummern der JCG hingestreuten Kurztexte und kam nicht zur geplanten Synthese. – Hier finden sich Informationen, die nur wenig bekannt sind. Z.B. in JCG #66, 5/42: Mission hinter Stacheldraht, Ein Brief Poljaks an einen kanadischen Geistlichen: „Missionar unter Gefangenen zu sein – und selbst gefangen – betrachte ich als besondere Gnade unf Berufung. Aber, so gross die Aufgabe ist, so schwer und kompliziert ist sie. Geistige Hilfe von aussen tut not – Hilfe durch Gebet.“ ... „Zu Anfang des Krieges wurde ich vom ‚Fremden-Tribunal’ als politischer Flüchtling (‚Refugee from Nazi-Oppression’ Klasse C) erklärt. Zudem war ich nicht einmal Deutscher. Geboren in Russland, wurde ich erst 1928 in Deutschland naturalisiert und schon 1934 von der Nazi-Regierung wieder ausgebürgert. Unter diesen Umständen durfte ich meine baldige Entlassung aus der Internierung erwarten. Aber in der Erkenntnis des göttlichen Willens untersagte ich meinen englischen Freunden, für meine Befreiung zu wirken und ging am 5. Juli 1940 freiwillig (ich hätte auf der Insel Man bleiben können) mit den nach Kanada Verschickten über den Ozean.“ (JCG #66, 5/42, S.7 und S. 9))

[7] Theodor Böhmerle ‚Die Gemeine und ihre Glieder: ein biblisches Geheimnis’, 1961. Böhmerle unterscheidet Gemeine von Gemeinde, die unsichtbare von der sichtbaren Gemeinde. Hans Härer fasste die Lehre Böhmerles zusammen. Poljaks Einschätzung: „Unseres Erachtens gehört Böhmerle nicht zu den schlechtesten, sondern zu den besten Pfarrern, die die deutsche Kirche je gehabt hat.“ (JCG #228, 12/55, S. 26-27). Böhmerle bekannte sich zur Allversöhnung im Sinne der Aeonenlehre, die mit Ewigkeiten rechnet und nichts gemein hat mit dem populären Glauben ‚Wir kommen alle in den Himmel.’ Böhmerle gehörte zu den Nachfolgern des aus Böblingen stammenden Johann Michael Hahn und dessen Gemeinschaft. Die Mitglieder der Hahn’schen Gemeinschaft blieben Mitglieder der würtembergischen Kirche. So auch Friedrich Mayer, ein Volksschullehrer aus Münsingen bei Stuttgart. Seine Schriften sind aufgeführt in JCG 275/276, 11,12/59, S. 8. Doch zählten sich nicht alle Mitglieder der Hahn’schen Gemeinschaft zur judenchristlichen Gemeinde. [8]

JCG #48, 11/40, ‚Katholisch oder Protestantisch’ S. 2: „Die judenchristliche Bewegung ist weder katholisch noch protestantisch – sondern christlich. Wir sezieren nicht das Christentum und stellen keine kirchliche Form über den christlichen Glauben. Wir kennen nur „das Haupt und die Glieder am Leibe Christi“ und suchen nur den Glauben, die Wiedergeburt und die Zeichen des Heiligen Geistes. Wir stehen allen kirchlichen Formen der Völkerchristenheit mit der gleichen Achtung gegenüber und geben allen Führern der Christenheit – den katholischen Priestern, den evangelischen Pfarrern und den Predigern der Gemeinschaften – alle Ehre, die man einem Geistlichen zu geben hat.“

JCG #198, 6/53, S. 6-7, Kirche, zitiert in Hans Härer’s Broschüre vom Juli 1953, Das Gericht am Hause Gottes, Offener Brief an die Schriftgelehrten und Pharisäer unserer Zeit, Patmos Verlag.

[9]‚Hitler als Feldherr und Spiritist’ (Das Zertrümmerte Hackenkreuz, Auflage 1950. Man beachte, dass die früheren Auflagen dieses Buches den Hitler Artikel noch nicht enthielten). Dieser Artikel verweist wohl als einer der ersten auf die spiritistisch-okkulten Hintergründe Hitlers. Poljak bemerkt, dass keine seiner Schriften eine derart grosse Verbreitung gefunden habe wie seine Hitler Analyse.

[10] Poljak war eine prophetische Gestalt, auch wenn er sich nie als Prophet gesehen hatte oder sich als solchen bezeichnen liess. Er warnte die Menschen vor dem kommenden Gericht und verkündete ihnen das kommende Gottesreich. Es stimmt zwar, dass er in seinen früheren Jahren ab und zu Daten nannte, an denen Jesus wiederkommen und das Reich Gottes auf Erden beginnen könnte, doch behauptete er nie, seine Berechnungen seien Eingebungen des Heiligen Geistes gewesen. (Siehe dazu auch Endnote 38.) Dr. Kurt Hutten schreibt, „diese Zeitmarkierungen verschwanden nach 1954.“ (Die Judenchristliche Gemeinde, Das Judentum in der Eschatologie, in ‚Seher Grübler Enthusiasten,’ Quell Verlag 1982 Stuttgart). Poljak sagte an der zweiten Basler Konferenz (1954) von sich selbst, „Es ist ... nicht richtig, wenn da und dort von der Poljak-Bewegung gesprochen wird. Ich bin nur der ‚Theoretiker’ der judenchristlichen Bewegung.“ (JCG 183, S. 87) Als Theoretiker hat er sich auch mit Daten befasst, wobei er sich auf die Aussagen jüdischer Mystiker stützte, die angeblich ‚auf Grund der im Buche Daniel genannten Zahlen’ vorausgesagt hatten, dass im Jahre 1914 ‚ein Weltkrieg’ ausbrechen würde. Über die Wiederkehr Christi schreibt er im Oktober 1950: „Wenn 1954 der Vormarsch des Messianischen Reiches beginnt, darf um diese Zeit auch die erste Wiederkehr Christi erwartet werden – nur für seine Gemeinde und nur ihr sichtbar.“ Poljak vermutete, dass dem Jahre 1954 eine besondere Bedeutung zukomme, weil er die Möglichkeit von Zeitkreisläufen von 40 Jahren in Betracht zog. (JCG 167, 10/50, S. 13. Man beachte die Schrägschrift des ‚Wenn.’) – Einzelheiten auch in Zahlen und Zeiten, Frühregen und Spätregen, 1947, S. 41-42.

(Die zweimalige Wiederkehr Christi habe Poljak vermutlich von Böhmerle, Ströter und anderen übernommen. Poljak habe sie später nicht mehr erwähnt, so Karl Krauter, mündliche Information.)

[11] Der Begriff ‚Heilsweg’ ist doppeldeutig und deshalb klärungsbedürftig: der Weg, der zum einen, Juden und Christen gemeinsamen Heil führt, ist der Weg zu Jesus. Der Auftrag, der Juden und Christen trotz ihres gemeinsamen Heils verordnet ist, ist, wie Römer 11 zeigt, jedoch nicht derselbe. Diese Auffassung steht im Widerspruch zur Erklärung der Arbeitsgemeinschaft „Juden und Christen“ beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, Stuttgart, 17. Juni 1999: „Nein zur Judenmission - Ja zur Partnerschaft und zum innerbiblischen Dialog“ http://www.jcrelations.net/de/?id=1070. Auf Grund von Römer 9,4 erklärte der Kirchentag: „ Darum widersprechen wir der Aussage, Jüdinnen und Juden hätten es für ihr Heil nötig, dass ihnen Jesus als der Messias verkündigt wird.“ Poljak hatte im eigenen Leben erfahren, dass es im Gegensatz zu dieser kirchlichen Erklärung, auch für Juden das Heil nur in Jesus zu finden ist. Siehe auch Endnote 56, ‚ein Heil, zwei Heilslinien.’

[12] Abram Poljak: Paulinische Judenmission, In diesem Zeichen, 1947, S. 37:

''„Es war schwer für die Judenchristen in Jerusalem zu begreifen, dass die Heidenchristen in Kleinasien, Griechenland und aller Welt nicht nach jüdischer, sondern nach ihrer eigenen Sitte Gott dienen sollten.

Und heute können viele Heidenchristen nicht begreifen, dass die Judenchristen nach ihrer eigenen und nicht nach fremder Sitte Gott dienen sollen und wollen.

Vor zweitausend Jahren kam die Stunde der Heidenchristen, und die Judenchristen mussten diese Lektion lernen – so schwer sie auch war.

Heute ist die Stunde der Judenchristen gekommen, und die Heidenchristen müssen die Lektion lernen – so schwer sie auch sein mag.“''

[13] Vielleicht müsste man eine Dissertation wie folgt thematisieren:

„Die Bedeutung Abram Poljaks und der von ihm gegründeten Judenchristlichen Gemeinde für die Beziehung der christlichen Gemeinde zur heutigen messianisch-jüdischen Bewegung - unter besonderer Berücksichtigung des Endzeitverständnisses der JCG im Kontext des Holocausts und der Auseinandersetzung mit der Evangelischen Kirche Deutschlands.“ Eine geschichtstheologische Studie hätte auch die Frage abzuklären, welches Geschichtsverständnis Abram Poljak mit seiner Vorstellung von Heilsgeschichte leitete und welche Lehren wir aus heutiger Sicht zu ziehen haben. Siehe z.B.: Die vormessianische Periode, Stufen der Endzeit: „Wir dürfen uns weder auf Jahreszahlen noch auf Ereignisse festlegen, da sich die Dinge zum Schluss so entwickeln werden, wie es sich die kühnste Phantasie nicht vorstellen kann. Die diesjährigen Ereignisse in Palästina haben uns in dieser Hinsicht bereits viel gelehrt. Wir müssen uns ebenso auf Jahre wie auf Jahrzehnte einstellen und ‚Immer bereit’ sein. ... Wie wir uns auch zu einzelnen Punkten stellen mögen, ob wir sie als wahre Erkenntnisse acceptieren oder als Spekulationen zurückweisen – über einen Punkt sind wir uns alle einige: Wir befinden uns in der letzten Welle der Endzeit und haben in dieser eine besondere Aufgabe zu erfüllen, eine Aufgabe, die nur wir und keine andere Gruppe durchführen können. Nur diese Aufgabe gibt uns Existenzberechtigung. Unsere Aufgabe ist: Herolde des wiederkehrenden Christus in Israel zu sein, Pioniere Seines Reiches! (JCG 143, 10/48, S. 4-5)

[14] Israel und die Nationen, In diesem Zeichen, 1947, S. 47

[15] Joseph Rabinowitsch (1837-1899) hatte in Kischinew/Bessarabien 1884 die ‚Kirche der Israeliten des neuen Bundes’ gegründet, die bis zur Schoa existierte und von Leo Awerbuch nach dem 2. WK neu aufgebaut wurde. (JCG #66, 5/42, S. 13: „Die Leser der JCG wissen, dass Rabinowitsch im Jahre 1884 in Kischinew, das damals zu Russland gehörte, die erste judenchristliche Gemeinde gründete. Nach seinem Tode (1899) löste sich die Gemeinde auf. Jahrzehnte später, nach dem ersten Weltkriege, nahm Awerbuch die Missionsarbeit in Kischinew wieder auf und formte auf den geistigen Grundlagen Rabinowitschs eine Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen. – Siehe auch „Aus der Geschichte der judenchristlichen Bewegung“ von Dr. A. Waldstein.“)

Diese Information findet sich auch in der Festschrift für Nicolas Heutger, Achim Alexander Sahin, Judenchristen in Geschichte und Gegenwart, 2002, S. 48, aber ohne Quellenangabe.)

[16] Siehe entsprechnder Auszug aus ‚Das Kreuz im Davidstern’ im Anhang.

[17] Poljak versöhnte sich allerdings mit der Judenchristlichen Allianz (Hebrew Christin Alliance) nicht lange nach dem Krieg und trat mit anderen Mitgliedern der Gemeinde der Allianz als Mitglied bei. JCG #122, S.8: „Nach meiner Rückkehr aus der Internierung im März 1944 kam es bald zu einem Friedensschluss mit der Hebrew Christian Alliance (Judenchristliche Allianz) in England. Nicht nur ich, sondern auch andere Mitglieder der Gemeinde traten der Allianz bei. Diese erkannte unsere Gemeinde als besondere Gruppe an und bot uns, ohne dass wir eine Forderung dieser Art gestellt hätten, einen Sitz in ihrem Komitee an. Zur Zeit gehören von uns der Allianz in gehobenen Positionen an: Albert Springer als Mitglied der englischen Exekutive und Agnes Waldstein als Mitglied des Komitees.“

[18] (‚von jenem Jahr datieren wir die Judenchristliche Bewegung’ JCG #133, S.8)

[19] Vergleiche dazu z.B. das Kurzkapitel ‚Theodor und Hans Herzl’ in ‚Das Kreuz im Davidstern.’ Laut Poljak waren Theodor und Hans Herzl heimliche Judenchristen, die aber verschiedene Berufungen hatten. Hätte die ‚Judenchristliche Gemeinde’ schon damals exisitiert, hätte Hans Herzl seine Identität gefunden. – Der Begriff ‚Jüdische Kirche’ war ein rein theoretischer, denn Poljak schreibt: „Die judenchristlichen Gemeinden der Zukunft sollen ‚Gemeinde’ bleiben und nicht zu ‚Kirchen’ werden. Sie sollen nicht zu einer blossen Einheit der Organisation werden, sondern eine Einheit des Geistes sein. Das Judenchristentum soll Bewegung sein und bleiben und nie eine national-kirchliche Organisation, ein Staat im Staate werden, JCG 31, 6/39, wiederholt in JCG 167, 10/50, S. 16, Gemeinden der Zukunft. Siehe ebenfalls in ‚Jüdische Kirche’, 1946, S. 22-25, Die Ordnung der Judenchristlichen Gemeinde.’ In Poljaks Artikel vom Jahre 1959, Das neue Lied der 144'000 in Offenbarung 14 steht der Satz „Gott will nur eine Sache nicht – dass der Glaube zur Organisation wird. Glaube ist Bewegung, Glaube ist eine Herzensangelegenheit. Sobald es Organisation wird, sobald es einen Führer gibt, ist es aus. Wo sich Führer bilden, da erstarrt der Glaube und wird das Herz wird zu Stein. So war es im Anfang: solange die Juden, die zum Glauben führten, die die Gemeinden gegründet hatten, da waren, war alles in Bewegung, es konnte sich entwickeln. Dann kamen die Bischöfe, dann wurde es Organisation im Laufe der Jahrhunderte. Dann kam es zu Konzilien, dann kam es zu Erzbischöfen, dann kam es zu einem christlichen Kaiser, und damit war’s aus und der Heilige Geist hat sich zurückgezogen.“ Poljak versucht in diesem Artikel anhand der Geschichte auf den unvermeidlichen Zyklus hinzuweisen, wonach neue Bewegungen zu Organisationen werden und damit ihrem Tod und ihrer Auflösung verfallen. Für die Judenchristliche Gemeinde sieht er genau dasselbe Schicksal voraus, doch glaubt er, dass Christus ihr die Zeit nicht geben wird, die nötig wäre, diesen Zerfallszyklus bis zum Schluss zu durchlaufen. Wir haben die frohe Botschaft durch die Welt zu tragen und dann wird das Ende kommen und damit die Erlösung der ganzen Welt und damit auch Israels.

[20] Poljak sah den Aufbau der Gemeinde im frühchristlichen Modell von ‚gewöhnlichen Brüdern, denen er versuchte das Reden beizubringen.’ (Karl Krauter, mündl. Mitteilung)

[21]JCG/Judenchristliche Pressekorrespondenz #84: November 1943, Dieses Konzept funktionierte in Möttlingen dank der weisen Führung von Agnes Waldstein. Mit deren Tod im Jahre 1961 funktionierte die Siedlung in Möttlingen nicht mehr wie unter ihrer Leitung.

[22] „Die Gemeinde unsrer Tage ist die Fortsetzung jener, die einst in Jerusalem bestand. Wir wurden berufen, die Heilslinie Christi in Israel wieder aufzunehmen und weiterzuführen.“ (Die Judenchristliche Gemeinde, 1946, S. 38)

[23] Kurt Hutten schreibt in seinem Poljak Artikel, Auflage 1982: “In jüngerer Zeit sind unter christusgläubigen Juden in den USA und auch in Israel entsprechende Bestrebungen hervorgetreten. Diese „messianischen Juden“ erkennen Jesus als ihren Messias an. Zugleich aber halten sie an ihrer jüdischen Identität fest und fühlen sich nicht den kirchlichen Traditionen verpflichtet.“ (op.cit.)

[24] An dieser Stelle verweisen wir auf das Konzept dessen, was Poljak unter Judenchristlicher Gemeinde und Reichsbruderschaft verstand. Die folgenden Hinweise sind seiner Zusammenfassung entnommen, die er mit folgendem Nachwort versah: „Ich bin mir dessen bewusst, dass ich mit diesem Artikel versucht habe, schwere Fragen mit wenigen Worten, nur andeutungsweise zu beantworten, und mich dabei in dem oder jenem Punkte irren kann. Ich bitte deshalb, diesen Artikel als meine persönliche Meinung aufzufassen, die nur dazu dienen soll, den Leser zum eigenen Nachdenken anzuregen.“

Der funktionelle Unterschied der judenchristlichen Gemeinden, wie Poljak sie verstand, zeigt sich in der von ihm und seinen Mitarbeitern geschaffenen Gemeindestruktur, die aus einem inneren und einem äusseren Kreis bestand. Der innere Kreis oder Kern bestand aus jüdischen Judenchristen, deren Aufgabe es war, bis hin zur Entrückung ihrem Volk den Weg zum Messias zu zeigen, denn dieses soll nachher zum ‚Weltmissionar der Nationen’ werden (z.B. der alte Basler Missionar Friedrich Braun, sen., JCG 183, 1952, S. 79; Jes 49, 4-6 „Israel, das Licht der Nationen und das Heil der Welt. Nicht Japhet!“), während der äussere Kreis (ursprünglich ‚Jerusalem’ oder ‚Jerusalem-Gemeinschaft,’ bestehend aus Judenchristen heidnischen Ursprungs, den Auftrag hatten, den Heidenvölkern der heutigen Zeit das Zeugnis des Evangeliums zu bringen. (JCG 125, 3. Oster Konferenz in London, 6. April 1947) Wer dem inneren Kreis beizutreten wünschte, der stand sozusagen unter einem Fahneneid, der nur den inneren Kreis betraf. Er war ‚Soldat Christi’ (JCG 142, 9/48). Der innere, jüdische, Kreis sollte im Blick auf die im damaligen Palästina zu gründenden Gemeinden an fünf Aufnahmebedingungen gebunden sein: Parteilosigkeit, d.h. apolitisch (weder jüdisch, projüdisch, noch prochristlich), Gehorsam den politischen Obrigkeiten, Gewaltlosigkeit, keine Waffen im Kriegsdienst, keine Berufung auf weltliche Gerichte. Dieser Beschluss wurde vor dem Hintergrund der chaotischen Zustände in Palästina vor der Staatsgründung gefasst. (JCG 125, 4/47, S.2; zum Unterschied zwischen Leib- und Braut-Gemeinde: JCG 219; 3/55, S. 7-8.)

Poljaks Unterscheidung in der Gemeindestruktur entstand in England nach dem Krieg. Später verschwand sie. Die Kreise in Deutschland bestanden fast ausschliesslich aus Nationen-Christen.

[25] Poljak war demütig genug, sich selbst zu korrigieren, wo ein vorangehendes Urteil zu revidieren war. Im Dezember 1941, sieben Jahre vor der Staatsgründung, schrieb er, im Artikel ‚Jüdische Armee’, ...“aus der Erkenntnis, dass Israel nicht so werden darf wie die Heiden, darum auch keinen Staat braucht und am allerwenigsten eine eigene Armee. Israel ist Gottes Volk. Es darf sich nicht nach dem Muster heidnischer Völker organisieren und darf sich mit keinem anderen Volke verbünden. Es muss allein bleiben – mit Gott.“ (JCG #64, 3/42). Sein Artikel wurde für die englische Ausgabe der JCG (‚Jerusalem’) übersetzt. Am 10. April 1948 erscheint auf Deutsch folgende Berichtigung: „Ich habe soeben die Aprilnummer erhalten und finde in ihr den Artikel ‚Jewish Army’, den ich vor sieben Jahren in Canada geschrieben habe. Ich bedaure, dass er jetzt wieder veröffentlicht wurde, da er zu Missverständnissen und zu verkehrten Schlüssen hinsichtlich der gegenwärtigen jüdischen Lage in Palästina führen kann. In den beiden Monaten seit meiner Rückkehr habe ich Dinge gesehen, die mich zur Überprüfung früherer Auffassungen zwingen. ...Was vor sieben Jahren, als Palästina noch unter geordneter englischer Herrschaft stand, unnötig und, geistig gesehen, eine Sünde war, die Bildung einer jüdischen Armee, ist heute nötig und heilige Pflicht.“ (JCG #138, 5/48, S. 10-11)

[26] JCG 103, 8. 7., 1944

[27] JCG 219, S. 11

[28] JCG 219, S. 6-7. Die 2. Konferenz in Basel (27. Jan 1952) beschloss, die Reichsbruderschaft ‚judenchristlich’ zu nennen. Zweieinhalb Jahre später wurde das Epithet ‚judenchristlich’ fallen gelassen, obwohl dieser Schritt auf Kritik stiess: In unsrer Zeit, der Endzeit müsse das Judenchristliche nicht abgeschwächt, sondern noch mehr betont werden als bis daher. Japhet müsse in den Zelten Sems wohnen und nicht umgekehrt. Die Frage des Ranges sei keineswegs nur äusserlich und nebensächlich, sondern entspräche der göttlichen Ordnung, die wir erkennen und berücksichtigen müssen, wenn unsere Bewegung auf der gesegneten Bahn bleiben solle.“ 1. Mose 9,27. Die Prophetie Noahs, dass Japhet in den Zelten Sems wohnen werde, ist Gegenstand eines ausführlichen Artikels im französischen ‚Jérusalem’ 199, 11/64, S. 15-18, Victor Gaudiche, ‚Les Tentes de Sem.’

[29] op. cit. ‚Nach dem Krieg soll die Verwirklichung des Seminarplanes als unsere wichtigste Aufgabe betrachtet werden’ zur Ausbildung eines ‚Führerkreises,’ d.h. von Gemeindeleitern. Andrerseits lesen wir in JCG # 208, 4/54, S. 9 über die Reichsbruderschaft: ‚In unseren Reihen gibt es keine ‚Führer’ sondern nur Brüder. Wir sind eine Bruderschaft, in der keiner kommandieren, strafen und ausschliessen darf.“

[30] „Die Botschaft vom Reich“, Patmos Heft 10, 1951-1955, S. 75ff

Grundlegend für den Umwandlungsprozess ist die Aussage „Alles auf dieser Welt muss wachsen und reifen, muss sich durchkämpfen und durchringen von der Finsternis zum Licht wie der erste Tag: ‚Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.’ (1. Mose 1,5) Zuerst war Abend und dann Morgen - nicht umgekehrt....Ich glaube nicht, dass seine Entwicklung (die des judenchristlichen Werks) bereits abgeschlossen ist, aber ich glaube, dass es seiner endgültigen Form nahe gekommen ist.“ (Die Jüdische Kirche, 1946, Namen, S. 10)

[31] (Das Kreuz im Davidstern, 5. Auflage 1951, Die Judenchristliche Gemeinde, 1937, S. 43, Die Proklamation, später mehrfach wiederholt )

[32] Das Kreuz im Davidstern, Weitere Beiträge, S.88-91, wiederholt in Die Jüdische Kirche, 1946, S. 21

[33] In „Judenchristentum“, Kanada 1941, S. 27, verfasst in London am 31. Januar 1939.

[34] Die Festschrift für Prof Nicolaus Heutger (siehe Endnote 16), die einen liberal-kirchlich orientierten Beitrag zur Geschichte des europäischen Judentums, zum Thema ‚Judenchristen in Geschichte und Gegenwart’ zu machen beansprucht, enthält die Aussage: „Poljaks Glaubensmittelpunkt war eine überhitzte Naherwartung der Wiederkunft Christi.“ (s. 50) Die Perspektive, die zu dieser Aussage führt, ist erkennbar einerseits in der Distanzierung des Verfassers zum Pietismus, der der Gründung des neuen Staates Israel eine heilsgeschichtliche Bedeutung beimisst: „In Wirklichkeit ist der Staat Israel ein säkularer Staat wie jeder andere auch...“ und andrerseits aus der Distanzierung zur Zuverlässigkeit der biblischen Schriften: ...„Sein Blut komme über uns und unsere Kindere“ (Mt. 27,25) mit dem das ganze Volk die Schuld für den Tod Jesu auf sich nimmt. Dass dieses Wort historisch ist, ist nicht wahrscheinlich.“ (S. 44)

[35] Bezeichnend ist folgender Eintrag von 1942:

Widerruf: Im Lichte der Ereignisse wie vertiefter und neuer Erkenntnisse überprüft, muss ich von dem, was ich in den vergangenen Jahren in Artikeln und Büchern, Predigten und Vorträgen zum Ausdruck brachte, einen Punkt widrerrufen, den Satz aus meinem Artikel ‚Friede’ (erschienen in JCG #23, 10/38, und i n meinem Buche ‚Judenchristentum’), dass der neue Krieg der letzte sein wird. ...

Der Weg zurück

Es gehört zu den heiligsten Pflichten eines Lehrers, von ihm verbreitete, später erkannte Irrtümer einzugestehen und öffentrlich zu widerrufen. ...

„Zeichen der Wahrheit.

„Gesetzt den Fall, wir irren uns in den Zeichen der Zeit und die Wiederkehr Christi würde nicht, wie wir glauben, in den nächsten Jahrzehnten sondern in Jahrhunderten oder gar erst Jahrtausenden erfolgen. Würde darum unsre Predigt von der baldigen Wiederkehr irgendwie schaden? Sie würde ebensowenig schaden, wie der „Irrtum“ der Apostel, die vor zweitausend Jahren die baldige Wierderkehr verkündigten. Entscheidend ist, welche Konsequenzen aus der Endzeit-Predigt gezogen werden.“ (JCG #67, 6/42)

Siehe auch ‘Frühregen und Spätregen,’ (1947) Zahlen, und Zeiten, Die Zahl Daniels: „Vor allem dürfen wir aus ihr keine definitiven Schlüsse auf die Stunde der Wiederkehr Christi ziehen.“ S. 41-42.

Poljak rechnete mit 40 Jahr Zyklen, da die Zahl 40 in der Bibel häufig vorkommt. 1914 – 1954 – 1994. Für ihn waren dies mögliche Daten.

[36] Prophecy & Providence, The Fulfillment of Torah Prophecies in the Course of Jewish History, Feldheim, 1985 (Hebräisch, 1991 Englisch)

[37] Neureligiöse Gruppen, Szenen und Weltanschauungen, Herder Verlag 2005

[38] Eberhard Busch, Unter dem Bogen des einen Bundes, Barth und die Juden 1933-1945, Neukirchener Verlag 1996, XIII, Abschnitt Römer 9-11, zitiert auf Seiten 406, 418 und 427

[39] Die Botschaft vom Reich, 1956, S. 75ff. Siehe S. 72-75, Die Botschaft vom Reich und die Weltlage, Kapitel ‚Heilslinien.’ Mehr dazu in Endnote 53.

[40] „Das Werk muss unabhängig von meiner Person exisitieren und sich entwickeln können. Es muss auf den Adlersflügeln des Gebets durch alle Stürme der Zeit getragen werden. Die Glieder unseres Gebetsbundes werden eine Arche Noah bilden und unsere kleine judenchristliche Gemeinde hinübertragen von der untergehenden Welt in die neue, die aufzubauen sie berufen ist.“ Frühregen und Spätregen, 1947, S. 66 Christophorus.

[41] Die Botschaft vom Reich, 1956, S. 77: „Das Messianische Reich der Juden, das Reich Israel, ist das von den Christen erwartete Tausendjährige Friedensreich. Reich Israel, Messianisches Reich, Reich Gottes auf Erden, Königreich Christi ist somit dasselbe. Wir nennen es mit einem Wort: ‚Das Reich.’“

[42] Judenchristliche Gemeinde und Reichsbruderschaft, JCG #219, 3/55, S. 9 (6-9) „Unsere geistige Situation kann nicht schwarz-weiss gezeichnet werden. Hier kommt es auf die Schattierungen an, auf die Schattierungen unserer Zeit und unseres Weges. Wir müssen darum folgende Fragen stellen und durchdenken: 1. In welcher Welle der Endzeit stehen wir?, 2. Besteht ein Unterschied zwischen Leib Christi und Braut Christi? Zu wem gehört die Judenchristliche Gemeinde?, 4. Welcher Unterschied besteht zwischen Judenchristlicher Gemeinde und Reichsbruderschaft?“

[43] JCG #199, 7/53, S. 13

[44] JCG #199, 7/53, S. 16

[45] JCG #208, 4/54, S 10-11, Dogmen

[46] Der Judenchrist Abram Poljak fand im protestantischen Pfarrer aus Frankreich, Claude Duvernoy, einen Kampfgenossen. Auszüge des Buches ‚Der Zionismus Gottes’ (Le Sionisme de Dieu) erscheinen in der von Baron von Springer geführten französischen Ausgabe der JCG (Jérusalem) erstmals mit Nr. 344 (Januar 1977). Duvernoy teilte die Eschatologie Poljaks und warnte wie dieser vor dem kommenden Harmagedon (L’Apocalypse a déjà commencée, 1980). Man mag auch bei Duvernoy nicht mit allem einverstanden sein, was er geschrieben hat. Mit Poljak gemeinsam hat er die biblisch-endzeitbezogene Einschätzung der Weltlage und die prophetische Warnung, die dem kommenden messianischen Reich vorangehen. Sowohl dieser wie jener stiessen auf kirchliche Ablehnung.

[47] (JCG 312, Dezember 1962)

[48] Z.B. JCG No. 278, Dezember 1955, S. 27

[49] Die Jüdische Kirche, 1946, S. 39-40

[50] Ein kurzer Nachruf findet sich in JCG 323, 11/63 und ein Rückblick über das Wirken Abram Poljaks in Deutschland, JCG 327, 3/64

[51] JCG 107, 10/45, S. 12

[52] JCG 289, I/1961, S. 9. Siehe auch Poljak zur Bibelübersetzung im Anhang III.

[53] Die Botschaft vom Reich, 1956, Die Botschaft vom Reich und die Weltlage: „Wir sind schon so weit, dass politische Geschichte Heilsgeschichte wird....“ S. 72

[54] JCG 167, 10/50) S. 13

[55] Allerdings hat Poljak gemäss seinem Bibelverständnis zu Fragen der Zukunft schon 1942 – während seiner Internierung – sich wie folgt geäussert: „In meinen ersten judenchristlichen Lern- und Lehrjahren liess ich mich von den unter christlichen Schriftforschern herrschenden Auffassungen beeinflussen – bis ich begann, meine eigenen Wege zu gehen, d.h. ohne vorgefasste Meinung, ohne Vorurteil, ohne Tradition die Bibel zu betrachten, das Wort als Wort zu nehmen und wenn z.B. Babylon steht, auch Babylon zu lesen und nicht einfach Rom einzusetzen.

„In meinem vor zwei Jahren erschienen Artikel ‚Babylon,’ Nr 43, Juni 1940) sagte ich u.a....Es bedarf keiner kühnen Phantasie, um vorauszusehen, dass Bagdad-Babylon bezw. der ganze Irak-Staat...im Laufe der Zeit ein Welthandelszentrum werden wird....

„Die Betrachtung schloss mit der Frage: ‚Kann nicht dieses Bagdad-Babylon der Sitz des Antichristen werden und kann nicht seine Schreckensherrschaft dort ihren Anfang und ihre Leitung finden? “

Poljak dürfte das Buch von H. Schaedel, Die Prophetie des Alten Testamentes, Maranatha Verlag, 1935 gekannt haben. Pfarrer G. Thaidiasmann schreibt darin unter ‚Die endzeitlichen Ereignisse nach den vier grossen Propheten, S. 146: „Zu der falschen Weltreligion mögen alle Völker, alle Religionen und Geistesströmungen ihren Beitrag geben...Eine Religion scheint schon örtlich, wie wesenhaft vorausbestimmt, den Haupteinschlag zu liefern, nämlich der Islam, schon längst eine Mischreligion mit heidnischen, jüdischen und christlichen Bestandteilen, und von grosser Anziehungskraft für den Menschen, der auf der Flucht vor Gott ist und doch religiös sein will; bezeichnenderweise seit langem die Religion des falschen Propheten genannt...Das Gegenstück des Christus – nämlich der Antichrist ist das, was dann noch fehlt.“

Siebzig Jahre nach diesem Kommentar steht in der Tribune de Genève vom 25./26. März 2006 über eine Zusammenkunft von Juden und Muslimen in Sevilla, Spanien, zu lesen: ‚Der Friede und der Name Gottes’ „Als Zeichen der Zeit ist die Geste der Friedensschliessung zwischen Juden und Muslimen zu werten, die angeblich denselben Gott anrufen, wenn sie gemeinsam ihre Gebete sprechen. Eine derartige Szene des Zusammenschlusses durch die Musik und den Gesang von zwei Religionen, die das teuflische Spiel der politischen Vermittlung gegeneinander bringt, macht die Theoretiker, die vom Zusammenprall der Kulturen sprechen, sozusagen auf den Rücken fallen.“

[56] Poljaks Verständnis des göttlichen Heilsplans lässt sich zusammenfassen als ‚ein Heil, aber zwei Heilslinien’: gemäss Römer 11 gibt es „in Christo zwar nur ein Heil, aber zwei Heilslinien..., die letzen Endes eine Linie, einen Kreis bilden; beide führen von Christus zu Christus und finden ihre Vereinigung bei seiner Wiederkehr.“ Die Botschaft vom Reich, Heilslinien, S. 75.

Siehe auch Poljaks Buch In diesem Zeichen, 2. Teil, Paulinische Judenmission, S. 37: „Jetzt wurde den Judenchristen die Rolle Pauli klar – die besondere Mission, zu der er berufen war. Jetzt erst erkannten sie die beiden Linien im göttlichen Heilsplan und verstanden, dass die heidenchristliche Linie der judenchristlichen nur im Wesen, aber nicht in der Form gleich war.

„So wurden die beiden Missionslinien (Judenmission-Heidenmission) in Einklang gebracht, von den Werkzeugen der göttlichen Gnade – den Aposteln und Jüngern – in Harmonie entwickelt und auf jene Bahn gestellt, die zur Vollendung der Kirche führt – zu jener Stunde, von der ich glaube, dass sie nahe ist.“

[57] JCG 183, März 1952 S. 82. Friedrich Brauns Botschaft könnte heute genau so wiedergegeben werden wie vor über 50 Jahren. Der Leser sei auf die von Poljak wiedergegebene Abschrift hingewiesen. Brauns Unterscheidung zwischen japhetitischer und semitischer Mission hat ihre Berechtigung, doch müssen wir uns vor jeder Einseitigkeit wahren. Man bedenke, wieviel Segen in den letzten 50 Jahren von der ‚japhetitischen’ Mission ausgegangen ist, was beweist, dass beide, die Juden und die Nicht-Juden ihren sich ergänzenden Auftrag haben. Was F. Braun als ‚die grösste aller Missionskatastrophen der Christenheit’ bezeichnete (die Ausweisung von 2000 Missionaren an einem Tag, womit ein Land von 400 Milionen Heiden ‚von heute auf morgen ohne Lehrer und Missionare’ gewesen sei), hat sich dank der Souveränität Gottes als Gottes Weisheit erwiesen. Die Untergrundkirche Chinas lebt und ist wohl stärker und widerstandsfähiger als jede andere Kirche auf Erden. Wir verweisen auf die DVD Serie ‚China Cry’.

Anhang I, II und III nur im herunterladbaren Dokument [Kontroverse Poljak/Hutten; Unterschied zwischen Leib Christi und Braut Christi; Bibelübersetzung]

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